Die Jagd auf die Kryptoqueen
Ich hörte das erste Mal von Ruja Ignatova in einem True Crime Podcast. Ich habe eine Schwäche für True Crime, besonders für Hochstapler:innen. „Catch me if you Can" ist mein Lieblingsfilm, der Tinderschwindler, Anna Delvey und zahlreiche andere üben eine große Faszination auf mich aus. Deswegen fand ich auch den Fall von Ruja Ignatova so spannend.
Ruja stammt aus einer bulgarischen Familie, kam als Kind nach Deutschland, studierte Jura und machte sich bald einen Namen. Irgendwann gründete sie OneCoin, eine Pseudokryptowährung. Sie vermarktete OneCoin als bessere Alternative zu Bitcoin, das Ganze war ausgelegt wie ein Multi-Level-Marketing-Unternehmen. Lange Zeit wurden den Mitgliedern Versprechen gegeben, die nie eingehalten wurden. Schlimmer noch: OneCoin hatte keine echte Blockchain – das Herzstück jeder Kryptowährung. Die Transaktionen waren nicht in einer dezentralen Blockchain, sondern in einer zentralen Datenbank gespeichert.
Die Autorin Jennifer wurde selbst Opfer der Betrugsmasche. Sie investierte das Erbe ihres verstorbenen Vaters in OneCoin und motivierte Freunde und Bekannte, ebenfalls zu investieren. Bis die Zweifel überhand nahmen und sie begann, nach der Wahrheit zu graben. Am Ende hat sie dieses Buch über ihren Weg geschrieben.
Ich hatte ein bisschen was anderes erhofft. Das Buch ist aus Sicht eines Opfers geschrieben – der Fokus liegt auf dem persönlichen Erleben der Autorin. Das ist an sich nichts Schlechtes, doch ich hätte einen tieferen Einblick in die Biografie von Ruja Ignatova selbst bevorzugt. Das Buch ist eine gute Übung in Empathie und klärt gut darüber auf, wie Betrugsmaschen funktionieren – lässt mich aber etwas unbefriedigt zurück.