Kultur, um der Freiheit Willen
Heute gibt es wieder ein Buch von Christian Meier. Diesmal ist es „Kultur, um der Freiheit Willen". Es handelt sich dabei um ein Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise zugeschickt wurde. Vielen Dank dafür.
Das Buch befasst sich mit den Ursprüngen Europas in der griechischen Antike. Doch zunächst einmal wirft der Autor die Frage auf, was eigentlich europäische Geschichte ist? Manche Dinge haben ein fixes Datum, wann sie beginnen, doch andere entstehen progressiv, also Stück für Stück – und wenn man sie bemerkt, stellt man oft fest, dass sie eigentlich schon lange da sind. So geht es uns in der Geschichte und in der Archäologie oft. Wir denken, wir haben den Anfang gefunden, aber bei genauerem Hinsehen ist darunter noch ein früherer Anfang verborgen. Ist die Geschichte Europas die Geschichte einer europäischen Einheit? Oder ist es die Geschichte der einzelnen Länder, die heute zu Europa zählen? Wann genau haben wir angefangen, uns als „europäisch" zu sehen? Im Mittelalter gab es keine „europäische Identität", wohl aber eine christliche – in Abgrenzung zur arabischen Welt.
Bereits im Mittelalter haben die Menschen begonnen, sich die Antike wieder als Vorbild zu nehmen. Insbesondere in den Texten. Viele Texte antiker griechischer Autoren wurden aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt, und später wurden wiederentdeckte griechische Texte auch direkt ins Latein übertragen. Dabei findet sich übrigens eine weitere Abgrenzung zur arabischen Welt: Das christliche Europa war von der Antike als Ganzes besessen, die Araber hingegen betrieben eher eine Art Cherry-picking – sie schätzten die antiken Autoren sehr, aber viel ausgewählter und selektiver. Sie interessierten sich für Naturwissenschaften und Astronomie, nicht aber für Poesie oder Rhetorik. Das merkt man auch daran, dass die antiken Texte vollständig ins Arabische übertragen wurden, um mit ihnen zu arbeiten – wohingegen es in Europa noch viele Jahrhunderte zum guten Ton gehörte, Latein und Griechisch zu lernen. Auch heute werden die antiken Sprachen noch an humanistischen Gymnasien und Universitäten gelehrt.
Insgesamt wirft Christian Meier mit seinem Buch einige sehr interessante Fragen und Denkansätze auf. Es ist schon bemerkenswert, dass wir noch heute so einen hohen Wert auf humanistische Bildung legen, obwohl Latein nirgendwo mehr wirklich gesprochen wird – selbst im Vatikan steht das so ein bisschen zur Debatte.
Ich kann nur von mir ausgehen, aber ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, Latein zu lernen, weil es mir einen ganz besonderen Blickwinkel auf Sprache und Logik eröffnet hat. Oft erinnern mich alte Sprachen mehr an das Lösen eines Sudokus als an das wirkliche Sprechen einer Sprache. Das macht sie – aus meiner Perspektive – auch mehr zum Selbstzweck. Man lernt Französisch oder Spanisch, weil man es gebrauchen kann. Aber Latein oder Altgriechisch lernt man aus Liebe zur Antike und zur Sprache.
Insgesamt ist es ein spannendes Buch, allerdings in der Zielgruppe etwas spitzer als viele andere Bücher über die Antike. Wer eher etwas für den Einstieg sucht, dem empfehle ich, zunächst „Athen – Ein Neubeginn der Weltgeschichte", ebenfalls von Christian Meier, zu lesen – und erst danach dieses Buch.