Das überforderte Gehirn
Kannst du dich nicht konzentrieren? Hast du auch das Gefühl, du hast die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs? Das Thema begleitet mich schon mein ganzes Leben, und wie viele Menschen habe auch ich das Gefühl, dass es sogar schlimmer geworden ist. In den vergangenen Jahren habe ich viel unternommen, um das zu verbessern – darunter Hyperfocus von Chris Bailey, „Konzentriert arbeiten" von Cal Newport und „Essentialismus" von Greg McKeown. Zuletzt habe ich „Das überforderte Gehirn" gelesen, das mir freundlicherweise vom Redline Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde.
Wir sind getrieben davon, neue Informationen zu bekommen. Dieses Verhalten ist evolutionär verankert – in einem Versuch zeigt das Gehirn von Makaken dieselbe Reaktion auf das Erhalten von Informationen wie auf primitive Belohnungen in Form von Wasser oder Futter. Erwachsene und Teenager schauen im Schnitt 150x täglich auf ihr Handy – das sind alle 6–7 Minuten. Studien zeigen, dass 95% der Weltbevölkerung ein Drittel des Tages mit Multitasking verbringt. Das Problem: Wir können gar kein echtes Multitasking. Wir können nur sehr schnell zwischen Aufgaben hin- und herwechseln.
In dem Buch habe ich gelernt, dass es einen Unterschied zwischen exekutiven Funktionen und kognitiver Steuerung gibt. Durch ständiges Multitasking schwächen wir unsere kognitive Steuerung, insbesondere unsere Konzentration. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Experiment: Drei Studentengruppen lernten für einen Test. Alle schnitten gleich gut ab, aber die Gruppe, die beim Lernen ständig unterbrochen wurde, brauchte deutlich länger – auch wenn man die Chatzeit abzog.
Seit ich das Buch gelesen habe, habe ich selbst mehr darauf geachtet, länger bei einer Tätigkeit zu bleiben. Was mir wirklich geholfen hat: mir klarzumachen, dass die anderen Sachen jetzt einfach nicht wichtig sind. Dieser kleine Mindset-Shift hat die Zeit, die ich konzentriert an einer Aufgabe arbeite, verdoppelt und manchmal verdreifacht.