Die 10 Irrtümer der Antikapitalisten
Rainer Zitelmann ist eine spannende Persönlichkeit – Historiker, Unternehmer, Bodybuilder. Ich habe ein paar seiner Bücher gelesen, darunter nun auch „Die 10 Irrtümer der Antikapitalisten", das mir freundlicherweise vom Finanzbuchverlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde.
Ich habe mir während der Lektüre über 400 Karteikarten in Anki angelegt, weil das Buch so randvoll mit Fakten ist. Vieles kannte ich im Groben bereits aus Factfulness – allerdings geht Zitelmann hier noch tiefer ins Detail und räumt mit weitverbreiteten Missverständnissen auf. Allen voran das Narrativ: „Die Reichen werden immer reicher, weil die Armen immer ärmer werden."
Zitelmann erklärt den Unterschied zwischen absoluter und relativer Armut. Wenn man relative Armut so definiert, dass Menschen als arm gelten, wenn sie weniger als 40% des Medianeinkommens haben, wird es rein aus statistischen Gründen niemals keine Armen geben. Dabei zeigt er: Die Armut nimmt weltweit in rasantem Tempo ab. Im Jahr 2000 lag die Quote der Menschen in absoluter Armut bei 27,8% – 1981 noch bei 42,7%.
Besonders spannend fand ich die Darstellung der Lohn- und Kaufkraftentwicklung. In den USA sind von 1820 bis 1860 die Löhne jährlich um 1,6% gestiegen, während die Kaufkraft um 60–90% stieg. Für eine Waschmaschine musste ein Amerikaner 1973 noch 72 Stunden arbeiten, im Jahr 2000 nur noch 23 Stunden.
Das Buch ist für mich vor allem eines, das Hoffnung macht. Es hilft, sich wieder auf Wissenschaft zu besinnen statt auf gefühlte Wahrheiten und zeigt, dass das, was intuitiv richtig erscheint, nicht immer richtig ist.