Peter Wensierski hat ein Buch über die beiden Ostberliner Studierenden Jens und Marie geschrieben. Ihnen gelang das Unmögliche. Von Prenzlauer Berg reisten sie durch die Sowjetunion und Mongolei bis nach China. Am Ende ihrer Reise stehen sie vor der Westdeutschen Botschaft und müssen eine Entscheidung treffen: beantragen sie hier einen westdeutschen Pass, um nach Westdeutschland einzureisen? Oder gehen sie zurück in die DDR?
In den letzten Monaten lese und höre ich gerne Geschichten über Menschen, die aus der DDR geflohen sind. Ich glaube mein Interesse wurde ursprünglich durch einen Podcast über die Ballonflucht geweckt. Ich bin im Westen geboren und habe nichts von der DDR mitgekriegt. Viele Jahre war die Information, dass es mal zwei deutsche Staaten gab, nur sehr passiv in meinem Gehirn vergraben. Klar, man hat da mal in der Schule drüber gesprochen und sicherlich haben auch meine Eltern mal erzählt, wie sie damals den Mauerfall erlebt haben. Doch für jemanden, der in den 90ern Kind im Westen war, war das alles nicht wirklich präsent.
Erst später in meinem Erwachsenenleben bin ich stärker mit Ostdeutschland in Kontakt gekommen. Ich habe gemerkt, dass die Unterschiede heute noch bestehen. Wir sehen es an vielen wirtschaftlichen Faktoren und den Wahlergebnissen, aber auch mir läuft es immer wieder kalt den Rücken herunter, wenn ich durch Berlin gehe und am Rosenthaler Platz vorbeikomme, wo in großen Lettern steht: „Dieses Haus stand früher in einem anderen Land“. Dann fühlt es sich auf einmal so wirklich an und so brutal. Genauso ging es mir, als ich in Leipzig im Stasimuseum war und die Schulhefte von Kindern und Jugendlichen gesehen habe, die in Stasiakten gelandet sind, weil die jungen Menschen dem Regime nicht treu genug waren.
Mit dem Buch „Die verbotene Reise“ wollte ich noch mehr darüber erfahren, wie Menschen aus der DDR geflohen sind. Ich muss sagen, es flößt mir eine Menge Respekt ein, zu lesen, was die Leute auf sich genommen haben. Nicht einfach nur die Ungewissheit bei der Reise durch Osteuropa und Asien, sondern auch die Vorstellung, dass Kontrollen ständig Probleme bedeuten können. Selbst, wenn man saubere Papiere hat.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich mit dem Schreibstil meine Probleme hatte. Mir fehlte ein wenig das „show don’t tell“, das gutes Storytelling ausmacht. Das Buch kam mir an einigen Stellen eher wie ein Protokoll oder eine Aneinanderreihung von Beobachtungen vor und nicht wie eine richtige Geschichte. Da wäre definitiv noch Platz nach oben gewesen, um mich mehr in die Story reinzuziehen.
Trotzdem fand ich die Geschichte interessant und habe das Buch relativ schnell verschlungen.
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